Cochemer-Modell

Cochemer Praxis

Das Cochemer Modell ist bzw. war die Bezeichnung für eine Arbeitsweise, die im Amtsgericht Cochem 1992 von dem Familienrichter Jürgen Rudolph initiiert wurde. Ziel war, bei Trennungen verheirateter oder unverheirateter Paare mit Kindern eine Konflikteskalation im Zuge von familiengerichtlichen Verfahren um das Sorge- bzw. Umgangsrecht zu verhindern. Das Grundprinzip bestand darin, eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen, am gerichtlichen Verfahren beteiligten Personen und Institutionen (Richter, Rechtsanwälte, Mitarbeiter von Jugendämtern und Familienberatungsstellen sowie Psychologen) zu realisieren. Dabei galt als Postulat, diese Kooperation primär auf die Interessen des Kindes auszurichten. Konkret sollten die Eltern in die Lage versetzt werden, Streit zu vermeiden und trotz des Scheiterns ihrer Paarbeziehung zum Wohl der Kinder weiterhin (oder wieder) miteinander zu sprechen, um ihren Kindern zu ermöglichen, dass sie eine gedeihliche Beziehung zu beiden Elternteilen unterhalten.

 

In Cochem selbst wird das Modell nach dem Ausscheiden von Richter Rudolph im Jahre 2008 nicht mehr praktiziert.

 

Cochemer Modell

Zunächst nur im Moselort Cochem umgesetzt, erlangte das Modell sehr rasch überregionale Popularität. In der Folge wurden im Laufe weniger Jahre wesentliche Teile des Modells von diversen Familiengerichten andernorts in Deutschland übernommen; die Methodik gewann landesweite Anerkennung. Jene gipfelte darin, dass einige der Kernelemente des Modells Eingang in das neue (deutsche) Familiengesetz fanden, so beispielsweise die frühe Terminierung und etwaige Durchführung einer Mediation oder eines anderen Verfahrens der außergerichtlichen Konfliktbeilegung wie überhaupt das Hinwirken auf Einvernehmen, Hinweise auf Möglichkeiten der Beratung und nötigenfalls Anordnung zur Teilnahme an diesbezüglichen Informationsgesprächen oder sogar an einer Beratung als solcher.

 

Wie sehr man vielerorts dennoch von diesem neuen Ansatz gelernt hat, belegt exemplarisch die Webseite des Amtsgerichts Wildeshausen. Dort (wie auch an vielen anderen Familiengerichten) werden elementare Prinzipien des Modells weiterhin umgesetzt und haben in puncto Transparenz und Berechenbarkeit sorge- bzw. umgangsrechtlicher Verfahren für die Beteiligten sogar eine begrüßenswerte Fortentwicklung erfahren

 

Abläufe, am Beispiel Konstanz

Alle beim Familiengericht Konstanz eingehenden strittigen Anträge um Sorgerecht, Aufenthalt des Kindes und Umgang des Kindes mit den Eltern werden nach diesem Modell bearbeitet. Dabei steht der Beratungsprozess mit dem Appell an die Eltern, ihre elterliche Verantwortung gemeinsam zu gestalten und eine einvernehmliche Lösung für ihren Konflikt zu finden, im Mittelpunkt des Verfahrens. Die Eltern werden von allen beteiligten Professionen unterstützt und wiederholt aufgefordert sich zu einigen und eine akzeptable Lösung für alle zu finden.

Das Verfahren läuft nun nach definierten Kriterien ab, nachlesbar unter dem Link rechts, Cochemer Modell im Arbeitskreis Konstanz.

 

Und Liechtenstein?

Mit dem Inkrafttreten des neuen Kindschaftsrechts per 1. Januar 2015 wurden erste Kernpunkte eingeführt; die Gemeinsame Obsorge im Regelfall sowie die verpflichtende Mediation. Was fehlt sind vorgelagerte freiwillige Mediation, Zusammenarbeit aller involvierten Fachleute und Fokussuierung auf das Kindeswohl.

 

Quellen:

Wikipedia, ehemalige Homepage ak-cochem.de

Links

Cochemer Modell im Arbeitskreis Mediation Konstanz

www.mediation-konstanz.de

 

Kooperatives Wildeshauser Familienverfahren, Niedersachsen

www.amtsgericht-wildeshausen.niedersachsen.de

 

Trennungsväter e.V. zum Cochemer Modell

www.trennungsvaeter.de